Three Dogs Walking Blog

Geschichten, Tipps und Inspirationen über die Gesundheit, Körpersprache und das Wohlbefinden deines Hundes.

Training Hunde Sammy und Maya

Zwischen Erziehung und Training: Entschlüsselung des Unterschieds am Beispiel des Hundeverhaltens

Es ist schon fast ein running gag zwischen meiner Schwester und mir. Was ist „gut erzogen“ und was ist „gut trainiert“. Ist Konditionierung durch Belohnung – im schlimmsten Fall Bestrafung – für ein erwünschtes Verhalten Erziehung oder Dressur...äh Training.

Der Hund meiner Schwester stammt aus einer kleinen Liebhaberzucht und kam als Welpe mit 12 Wochen zu ihr. Er war außerordentlich gut geprägt und erfuhr eine ausgezeichnete Sozialisierung durch meine Schwester und ihren Mann. Auch kann er allemöglichen kleinen Tricks, weshalb ich immer scherze, er sei gut dressiert, wenn sie doch darauf beharrt, er sei gut erzogen. Was ist der Unterschied?

 Die Erziehung des Hundes

Hundeerziehung fängt schon ab der Geburt an. Durch die Mutter, durch die Wurfgeschwister und ggf. durch den Kontakt mit anderen Hunden lernen Hunde hundetypisches Sozialverhalten. Im Zusammenleben mit ihren Menschen lernen Hunde wichtige Regeln, damit das Zusammenleben auch funktioniert. In der 4. bis 8. Lebenswoche befinden sich Welpen in der Prägephase und was hier versäumt oder gar versaut wird, ist sehr schwer wieder aufzuholen. Die Welpen sollten für eine gesunde Entwicklung in dieser Phase mit so vielen Umweltreizen wie möglich konfrontiert werden, die später im Leben „dazugehören“, selbstverständlich ohne sie dabei zu überfordern. Das sind andere Hunde, Kinder, Menschen, Tiere, verschiedenste Alltagssituationen und -geräusche, Straßenverkehr, etc. Hier ist es schon wichtig, Grenzen zu setzen und Regeln aufzustellen. Der Welpe nähert sich im besten Fall mit Neugier einer neuen Sache. Jetzt lernt er auch, sich all diese Dinge einzuprägen und als positiv, negativ, ungefährlich, erlaubt, verboten etc. zu verknüpfen. Zieht der Welpe ab der 8. Woche in ein neues Zuhause ein, beginnt die Sozialisierungsphase mit seinen neuen Menschen, Artgenossen, Spiel- und Lernkameraden in einer Welpenschule, anderen tierischen Familienangehörigen. Er soll nun mit seiner Familie die Welt erkunden können und gemeinsam Erfahrungen machen, die sich für immer einprägen. Auch lernt er nun alle wichtigen Regeln und Grenzen im Zusammenleben mit seinen Menschen. Das ist für mich die Erziehung eines Hundes.

Die Notwendigkeit eines Hundetrainers

Vorab, ich bin kein Hundetrainer. Es gibt ja auch genug, leider, da es zu viele Hunde gibt, die eben keine gute Erziehung genossen haben.  Die Hilfe eines Hundetrainers wird nötig,  wenn Versäumnisse und Fehler in den wichtigen Lebensphasen eines Hundes später zu Problemverhalten führen und nicht selbst korrigiert werden können, sondern die Anleitung durch einen Spezialisten notwendig machen. 

Erziehung oder Training

Einen Hund in die Menschengesellschaft einführen und ihn möglichst anpassungsfähig, ja unauffällig zu machen, ihm Sitz, Platz, Bleib, Fuß, rechts, links, geradeaus oder zurück beizubringen, ihn leinenführig zu machen und auch abrufbar, fällt für mich in Training. Da Training immer klassische Konditionierung ist, ist es Dressur – nicht einmal abwertend gemeint – die auch immer wieder geübt und wiederholt werden muss. Es gibt Hunde, die dürfen gar nichts mehr alleine entscheiden, sie haben sich nicht vom Halter ohne Erlaubnis zu entfernen und müssen bitte hinter ihm, wenigstens aber neben ihm gehen, etc. etc. „Mein Hund ist so gut erzogen“ sagen viele Menschen von ihren trainierten Hunden und trotzdem sind sie doch einfach nur sehr gut dressiert. Meine Hunde wurden beide mehr oder weniger auf der Straße geprägt und sozialisiert. Eine Erziehung durch Menschen haben sie in ihren ersten Lebensjahren nicht genossen, aber sie wurden auch nicht durch sie verdorben, fehlgeleitet oder stark misshandelt. Sammy wurde als Spielzeug für die Kinder angeschafft und flog auf die Straße, als sie genug hatten. Er reagiert bis heute defensiv aggressiv auf fremde und in seinen Augen merkwürdige Männer, ist auch sonst ein Hasenfuß. Ari hat auf der Straße und in einem Asyl gelebt, bevor er zu uns kam. Er hat vermutlich ganz neutrale Erfahrungen gemacht und ist mit einem einmaligen Temperament und Charakter ausgestattet. Meine Hunde wurden erst spät im Zusammenleben mit uns gut erzogen. Bei der Dressur ist allerdings weiterhin noch Luft nach oben. Lach. 

 

 

Ähnliche Beiträge

Stress bei Hunden

Stress bei Hunden

Selbst gekochtes Hundefutter mit Schweinefleisch

Ernährungsberatung für Hunde